Auf Wiedersehen Bildbearbeitung - Hallo Realität

Heute möchte ich euch erzählen, wie sich meine Fotografie über die letzten Jahre verändert hat und was die Bearbeitung von Fotografien damit zu tun hat. Dieser Post entspricht nicht dem vergangenen Inhalt meiner Beiträge im Naturtraumreisen-Blog. Da ich jedoch oft gefragt werde wie ich meine Fotografien bearbeite, widme ich diesem Thema einen eigenen Post. Dazu habe ich Fragen gesammelt, die ich oft gestellt bekomme, wenn es um das Thema Fotoretusche geht. 

Hier ein kleiner Einblick hinter die Kulissen und eine Portion Liebe zur Realität :-)


Warum habe ich mich von der Fotoretusche verabschiedet ?

Ich kann nicht behaupten, dass ich mich komplett davon verabschiedet habe und wer die nächsten Fragen auch noch liest wird herausfinden, in welchen Fällen ich weiterhin meine Fotos bearbeite. Aber ich habe mich vor langer Zeit schon dazu entschieden Fotografien und ihren Inhalt sensibler zu behandeln. Vor allem mein Portfolio der Naturfotografie hat sich komplett verändert. Ich ziehe es hier nicht mehr in Erwägung die Fotografien nachträglich zu bearbeiten. Und das hat mehrere Gründe. 

Drei davon stelle ich euch kurz vor:

1. Die Natur ist in der Realität schon schön genug. Sie benötigt keine Fotoretusche. 

2. Die Fotografie ist meiner Meinung nach eine technische Kunst und wer sie beherrschen will muss sich mit der Kamera und dem Bildaufbau auseinander setzen und nicht damit die Pixel eines Bildes am PC nachträglich zu verändern.

3. Das Bearbeiten von Fotografien sorgt dafür, dass unser Leben unspektakulärer erscheint. Viele Dinge verlieren ihren Glanz und Zauber, weil sie in der Realität nicht so aussehen, wie sie es auf retuschierten Fotos tun. 

Auch in der Portraitfotografie verzichte ich zum größten Teil auf eine nachträgliche Bearbeitung der Fotografien. Mehr Infos dazu folgen gleich.

Nutze ich Bildbearbeitungsprogramme überhaupt nicht mehr ?

Bei meiner Arbeit mit der Retusche von Fotografien unterscheide ich stark, um welche Art der Fotografie es sich handelt und um welchen Inhalt. Meine Intension ist es die Realität nicht zu verändern und ihre Schönheit so zu zeigen, wie sie wirklich ist.

Bei der Natur- und Wildlifefotografie retuschiere ich nicht mehr nach. Ich lade diese Fotografien mittlerweile so hoch, wie sie aus der Kamera kommen. 

Im Bereich der Portraitfotografie kann es jedoch noch vorkommen, dass ich auf eine nachträgliche Retusche zurückgreife. In welchem Umfang stelle ich bei der nächsten Frage vor.

Auch bei Kundenaufträgen nutze ich weiterhin Bildbearbeitungsprogramme, sofern dies der Wunsch des Kunden ist. 

Wie stark verändere ich Menschen Mithilfe der digitalen Bildbearbeitung?

Im Bereich der Portraitfotografie habe ich meine Bearbeitung minimiert. Ich greife hier mal zwei Beispiele auf. Hautunreinheiten entferne ich mittels Bildbearbeitung, denn diese sind nicht jeden Tag da und es kann ganz schön ärgerlich sein, wenn am Tag des Fotoshootings genau dann ein Pickel auf der Nase sitzt - also der wird wegretuschiert :) Auch kleine Fehler werden entfernt unter anderem Flecken die entstanden sind wenn die Kameralinse mal nicht 100% sauber war oder Fussel auf dem Pulli werden raus bearbeitet. 

Was ich jedoch nicht nachträglich verändere sind Körperformen, Hautfarben, Muttermale oder Gesichtspartien. Jeder Mensch ist schön so wie er ist und ein gelungenes Porträt sollte diese Schönheit vorteilhaft darstellen.

Mein Leitgedanke bei der Bearbeitung von natürlichen Portraits ist somit -> Weniger ist mehr!

Der Bereich der kreativen Fashion und Porträt Fotografie sei hier mal ausgeschlossen. Im Bereich der Kunstfotografien darf es, meiner Meinung nach, auch ein bisschen mehr Bildbearbeitung sein, denn Kunst ist nunmal Kunst und bleibt es auch. Also hierbei bearbeite ich auch hin und wieder etwas mehr, wobei ich meine Modelle nur sehr wenig verändere und ihr Äußeres nicht entfremde!  


Warum wir vielen Bildern auf Social Media/im Internet nicht glauben sollten und wie wir den Weg zurück zur Realität finden…

Der Trend Bilder aus dem Alltag oder Urlaub vor dem Posten mit Fotofiltern zu versehen oder diese zu bearbeiten hat in meinen Augen stark zugenommen. Es ist mittlerweile viel einfacher geworden Aufnahmen zu retuschieren.  Für das Handy gibt es zum Beispiel viele Apps die dafür gemacht sind oder Filterfunktionen die standardmäßig auf dem Handy installiert sind. Auf Social Media kann man diesen Trend sehr gut beobachten. Sowohl Naturfotografien als auch Portraits werden hier stark nachbearbeitet gepostet. Das Fatale daran ist nicht, dass diese Bilder dort publiziert und verbreitet werden, sondern das sie so “natural” wirken, dass der Eindruck entsteht, dies sei die Realität.

Bearbeitete Reisefotos, “Natural” Look Portraits und Lifestyle Fotografien vermitteln uns ein modifiziertes Bild der Realität.  

Unser Umgang mit unserer Umwelt, unseren Mitmenschen und vor allem die äußerlichen Erwartungen an jene sind sehr verzerrt. Viele Dinge werden von uns nur noch als schön oder sehenswert wahrgenommen, wenn sie “extrem” oder perfekt sind. 

Das heißt nicht, dass ich der Meinung bin, wir sollten aufhören zu Fotografieren, Bilder zu werten oder zu beurteilen. Allerdings sollten wir uns die Frage stellen, welchen Inhalt wir wirklich bewerten sollten und wie wir dies tun! 

Um den Weg zurück zur Realität zu finden ist es meiner Meinung nach sehr wichtig, sich der Bearbeitung dieser Bilder bewusst zu werden. Vieles, was uns präsentiert wird entspricht einfach nicht der Wahrheit!

Um das Bild der wunderschönen natürlichen Realität nicht zu verlieren, kann jeder einen Beitrag leisten - einfach mal den Filter auf dem nächsten Foto weg lassen oder sich generell mehr Bilder anschauen, die nicht eindeutig nachbearbeitet wurden. 

Dies ist nur ein kurzer Beitrag meiner Meinung zu diesem Thema.

Ich freue mich auch über konstruktive Diskussionen darüber - schreibt mir gerne auf Facebook oder Instagram ;-) 


Ein sonniger Gruß,

eure Verena Maria 

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